Lyrik

Gottes Bilderbuch

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Katzen

Paul Anker 1831-1910

 Es ist die Eigenart der Katzen,
zu schleichen und zu schauen
und auf geschmeidig weichen Tatzen,
uns schmeichelnd zuzumauen.
 
Sie sind charakterfest und eigen,
als kluge Jäger, listig, flink;
nur werden sie auch Krallen zeigen,
damit die Mäusejagd gelingt.
 
Ansonsten sind es kleine Tiger,
die schnurrend sanft wir lieben,
denn ihre Herzen folgen wieder
den alten Freiheitstrieben.

  • Fotos: Gisela Seidel

Hoffnung

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Die Hoffnung setzt Vertrauen in das Leben,
obwohl die Dunkelheit so manchen Tag verhüllt,
wird sie uns Lebensmut und Selbstvertrauen geben,
auch wenn oft langes Warten unsre Stunden füllt.

Und ist uns bang ums Herz und trüb die Sicht,
für Pläne, die wir tief im Herzen schmieden,
so sendet uns ein Leuchten neues Hoffnungslicht;
gelingt ein Plan, bringt es uns den erträumten Frieden.

Die Hoffnung ist die Flamme unsrer Lebenslichter,
ein Funke, der das Feuer in der Dunkelheit entfacht,
erfüllte Träume bringen strahlende Gesichter
und es durchflutet heller Schein die finstre Nacht.

Oft will uns nicht gleich jeder Schritt gelingen,
dann straucheln wir und fallen hart zurück;
die ferne Zeit wird dann zum Guten bringen,
was einst zerstörte unser Missgeschick.

Vergänglichkeit des Augenblicks

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Zukunft wird gegenwärtig und vergeht.
Flüchtiger Augenblick des Jetzt,
ein Lidschlag macht aus dir Vergangenheit.
Nichts kann dich halten,
nichts zurückholen.
Du wirst durchlebt und bist sogleich verloren,
und die Erinnerungen, die du trägst, sind folgenschwer.
Die Dimension der Zeit – ein trügerisches Bild.
Verbirgt sie doch die Polarität des Lebens vor unseren Herzen.
Aus Glück wird Unglück,
aus Liebe – Hass,
aus Leben – Tod.
Oft trennt uns nur ein Augenblick von diesem Wandel.
Wie ein winziges Atom ein Teil des Ganzen,
so ist der Moment des Seins der Schlüssel zur Ewigkeit.

Wege der Wahrheit

Kloster Kamp, Foto: Gisela Seidel

Die Fesseln sprengen,
Vergangenes segnen;
der Freude im Herzen
mit Liebe begegnen.
 
Das Neue betrachten,
mit Hoffnung und Wonne,
die Seele erleuchten
mit innerer Sonne.
 
Die Wege der Wahrheit
mit Weisheit erhellen.
Kein leuchtend’ Talent
unter Scheffel stellen.
 
Die Blindheit mit
göttlicher Weitsicht füllen,
den Höhenweg ebnen,
um Gottes Willen.
 
Den Glanz aller Tage
zum Blütenkranz binden,
zu reichen der Herrlichkeit
hinter den Sinnen.

Traumbilder

Quelle: Wikipedia – Hexengang in Osnabrück

Ein Engel streifte nachts mein Haar,
streute mir Traumgesichte in den Sinn.
Betört und friedvoll lag ich anfangs da
und folgte meines Traumes Anbeginn:

Ich sah entlang des Stadttors dunkle Mauern
und an dem schwarzen Turme Fackelfeuer.
Mich trieb die tiefe Welle des Bedauerns,
als ich vernahm, das klagende Gemäuer.

Es schien, als drängten Tränen durch die Ritzen,
sie liefen auf den dunklen Grund hernieder
und bildeten in salzig, kleinen Pfützen
die Münder, weinend, mir als Bilder wieder.

War all der vielen Unsichtbaren Trauer,
die man gequält, entmenschlicht, umgebracht.
Die hinter heren, alten Kirchenmauern
erlagen Folterungen dunkler Macht.

Ich hörte Schreie von den längst Verbrannten,
sah Höllenfeuer unter ihren Füßen.
Be-Geisterung bei ihren Art-Verwandten,
die Gaffer, die noch Lebenszeit verbüßten.

Vernahm das dumme Volk in dichten Schleiern,
ein schwarzer Vorhang deckte ihr Gesicht.
Sah sie im Hier und Jetzt und damals feiern –
Vergangenheit entband im neuen Licht.

Noch immer gibt es üble ‚Weltenlenker‘,
die Staatsgewalt als gottgegeben präsentieren.
Die sich durch Religion bigotter Denker
zu teuflischen Armeen formieren.

Der Engel ist längst fortgegangen.
Mit ihm verging mein Traum; ich bin erwacht.
Die Welt ist alt und neu das menschliche Verlangen,
doch hat es Unbewusstes klar gemacht?

Ist Böses nicht schon immer bös gewesen?
„Du sollst nicht töten“, unsere größte Pflicht?
Die Welt wird nicht am Leid genesen,
egal ob Priester oder Führer spricht!

Sinfonie des Lichts

William Adolphe Bouguereau  1825-1905

Längst verhallter Urknall –
aus Trümmern geborene Welt;
geballte Materie in kosmischer Ordnung.
 Mensch sein –
schmaler Grad zwischen Urzeit und Wandel,
Brücke zur Neuzeit.
Darwin oder Gott?
Evolution oder Schöpfung?
 Zeitreise durch die Irrtümer.
 Teil eines harmonischen Ganzen,
universale Unendlichkeit –
seit Anbeginn der Zeit und ewig während.
 Geschenk an die Menschheit,
aus Träumen geboren,
schwebend zwischen den Welten.
 Spielplatz der Engel,
 unendlich tanzend
zur Sinfonie des Lichts.
 

Tanz auf den Wolken

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

In hohen Sphären mit den Winden tanzen,
auf weißen Wolken lichtwärts schweben;
lasse von himmlischen Romanzen,
mich weit in ferne Himmel heben.
 
Verbinde mich im Reigen mit der Zeit
und flieg’ mit Engeln durch die Sonnenpforte,
im Tanz verbunden, schwebe ich so weit,
der Wind trägt mich bis an die fernsten Orte.
 
Und meine Seele hebt sich in die Lüfte,
vermählt sich mit den warmen Sommerwinden,
trägt mich in höchste Höh’n und über tiefste Klüfte,
wird den verborgnen Weg zu Dir nach Hause finden.

Mainacht

Ostseestrand – Eugen Dücker 1841-1916

O meine selige Jugend!
Blaue Tage am Ostseestrand,
wenn in den grauen Schluchten
jeder Baum in Blüte stand.

O glühende Sommernächte!
Am offenen Fenster durchwacht.
Ferne Gewitter rollten
im Westen die ganze Nacht.

Und über den Lindenwipfeln
führten im Blitzesschein
die alten Preußengötter
ihren ersten Frühlingsrein.

Herden und Saaten segnend,
schwanden sie über das Meer.
Ihre hohen Bernsteinkronen
blitzen noch lange her.

Agnes Miegel 1879-1964

Verbindung

Maler unbekannt

Beseelt von neuem Glück will ich dir schreiben,
in manchen Reim versteckter Weisheit Sinn,  

vieles wird wie die Sphinx zwar groß und schön,
doch um so rätselhafter bleiben,  

das Wort wird lenken deinen Weg zu Anbeginn;  
und während ich gedanklich mich im Vers verbinde,

verrinnen die Sekunden visionär;  
ersehnend fühl’ ich lang vergangne Erdengründe

– die Zeit, sie flog dahin, als obs ein Lidschlag wär‘.  
Bist Führer meiner Seele fehlend’ Hand,

bin nur im Geiste das verborgne Glied,  
hinter des Schleiers Anderwelten, unerkannt,

bin ich Vermittler, spinne dir mein Lied.  
Ich bleibe stumm, habe nur diese Zeilen,

um dir zu sagen: Sinnend wart’ ich hier!  
So sehr ein Wort verletzt, so sehr kann es auch heilen;

bin nur gedankenweit entfernt von dir.  
Du wirst es spüren: Wenn ich bei dir weile,

vergessen wir gemeinsam Zeit und Raum,  
wenn ich vom Licht des Universums schreibe,

verschmelzen Endlichkeit und Ewigkeit im Traum.  
So, wie ein Wolkenband den Himmel ziert,
so sollen die geschriebnen Worte sein,  

Gedanken, wie von Engeln inspiriert,
sie gehen tief ins menschlich‘ Herz hinein.

Tausend Höllen

Tausend Münder kannst du küssen,
tausend Lippen;
tausend Zungen kannst du spüren.
Niemals findest du den Mund,
der dich geküsst wie meiner,
der dich völlig löste von der Welt,
der dich fern in tausend Himmel trug. –
so küsst dich keiner!

An deinen Lippen hing ein Beben,
als küsst’ ich tausend Lippen.
Ich streichelte die Wangen dir wie Samt,
und deine Stirn liebkoste ich wie Seide.
Aus deinem Mund hab ich mich satt getrunken,
er labte mich noch süßer als der Wein.
Und deine Augen, wie ein Ort, versunken,
zog mich in tiefste Harmonien hinein.

Nun lieg ich auf dem Grund des Tränensees,
ertrunken,
mich hat die Welle fort von dir getragen.
In deine Arme war ich hin gesunken,
achtlos und schwach
hast du mich fallen lassen,
in tausend Höllen.

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