Pferde Blog: Vertrauensaufbau

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10.01.2023 | 03:54h
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07.06.2024 | 03:45h
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Pferdeblog
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a-m-elisabeth-peters.blogspot.com

Ein Traum ist für uns wahr geworden und wir haben uns ein eigenes Pferd gekauft. Natürlich wollen wir nur das Beste für das Pferd. Wir freuen uns ja, dass es da ist und wollen ihm nur Gutes tun, haben auch einen guten Stall für es ausgesucht. Natürlich erwarten wir auch dafür, dass es brav ist und gut mitarbeitet. Wir können es ja auch kaum erwarten, dass es los geht, wir haben schon viel zu lange darauf gewartet. Aber nun funktioniert es nicht so, wie es soll?
Als wir es uns angesehen haben, sah das Bild ganz anders aus. Es war lieb und hat auch wunderbar funktioniert beim Probereiten. Was ist da jetzt plötzlich los?

Um nun eine Lösung zu finden, sollten wir das Problem mal aus der Sicht des Pferdes betrachten. Es wurde aus seinem bisherigen Leben gerissen, egal wie schön oder schlecht das gewesen sein mag. Es war sein Leben. Seine vertrauten Stallgesellen, eventuell ein lieber Pferdekumpel, ein besonderer Freund oder eine besondere Freundin. Das hat ihm bisher Sicherheit gegeben um zu überleben. Die Grundbedürfnisse des Pferdes sind Futter, Wasser, Sozialkontakte und eine sichere Umgebung. Eventuell auch ein Mensch, den es gewohnt war und dessen Routinen ihm Sicherheit gaben.

Unser neues Pferd ist nun von all dem weg gerissen worden. Das hat es sich nicht freiwillig ausgesucht, es ist also erstmal nicht gerne von dort weg. Es spielt dabei erstmal keine Rolle, wie gut oder schlecht es vorher behandelt worden ist. Es weiß auch nicht, was auf es zukommen wird. Also ist es erstmal total verunsichert. 
Mußte es bisher einfach nur funktionieren, kann es sich keine Vorstellung davon machen, dass es ab jetzt anders sein könnte. Wurde es gut behandelt, versteht es erst recht nicht, warum es plötzlich die gewohnte sichere Umgebung verlassen musste, die für sein Überleben ja elementar  wichtig ist.

Es ist fremd in einer fremden Umgebung und muss nun sehen, wie es zurecht kommt. Vielleicht hat es Glück und bekommt eine schonende Eingewöhnung, vielleicht sogar in einer kleinen Herde und nicht in einer Box. Auch da muss es erstmal seinen Platz in der ganzen Rangordnung finden. Vielleicht hat es auch noch mehr Glück und kann die neue Herde erstmal aus einer sicheren Distanz kennen lernen und muss sich nicht sofort damit auseinander setzen.

Es ist aufgewühlt, vor der ungewissen Zukunft, hat erstmal Angst im fremden Stall und muss sich nun erstmal gegen die anderen Pferde durchsetzen oder sich mit ihnen arrangieren. Diese wollen ja erstmal nichts mit einem fremden Eindringling in der bestehenden Herde zu tun haben Es muss sich vielleicht auch um sein Futter sorgen. Dann sind auch fremde Menschen da, die es noch nicht kennt und die es verstehen lernen muss. Vielleicht hat es auch dabei Glück und wir können unserem neuen Pferd anhand einer klaren Körpersprache gut vermitteln was wir von ihm wünschen. Dann kann es sich unserer klaren Führung gut anschließen und sich entspannen. 

Aber vielleicht läuft es nicht so entspannt in der neuen Umgebung? Mit den anderen Pferden? Den anderen Stallbedingungen und neuen Menschen? Im fehlt ja zuallererst mal Sicherheit. Wenn es die nicht findet, wird es erst mal alles aus dem Ruder laufen. Vielleicht hat das Pferd auch gesundheitliche Probleme, die man auf den ersten Blick nicht sehen kann und der Vorbesitzer verschwiegen hat? 

Was kann ich jetzt als Mensch tun? 
Wenn alle gesundheitlichen Probleme abgestellt sind, gutes Futter, darf es auch ohne Stress fressen? Hat es ausreichend Mineralien, das kann im Blutbild festgestellt werden, chiropraktische Untersuchung, da schaut man mal auf die offensichtlichen Dinge. Ist das Pferd zu dünn, musste es hungern, hat es Magenprobleme, ist es zu dick und hat Gelenkprobleme, sind die Zähne in Ordnung, Hufe in Ordnung? Kann es gut sehen? Hat es Gebäudefehler, die letzendlich zusammen mit unserer Konstellation zu Problemen führen? Passt sein Sattelzeug wirklich? In welchen Situationen treten Probleme auf, schon von daher lassen sich etliche Rückschlüsse ziehen. Man muss bei extremen Problemen auch in Betracht ziehen, dass ein Pferd für die Besichtigung ruhig gestellt wurde.

Ich sollte auf jeden Fall dem Pferd gut vermitteln können, dass ich eine klare Führung bieten kann und es sich bei mir sicher fühlen kann. In den wenigsten Fällen ist dies leider so, weil wir ja immer noch Menschen sind, die zum größten Teil eben noch ein anderes Leben haben, weit weg von Pferden. Der Anteil an "Pferdezeit" ist meist ein sehr kleiner, verglichen mit der restlichen Zeit unseres Lebens. Deswegen haben wir auch meist nicht die Übung darin, die Führung einer Herde zu übernehmen, mit allen Pflichten und Privilegien, die das so mit sich bringt. Wir haben uns ja deswegen auch ein ausgebildetes Pferd gekauft, von dem wir annehmen wollten, dass es problemlos zu uns passt.

Unser Pferd sieht uns aber nun auch als Teil seiner neuen Herde. Abgesehen von seinen Stallkumpels, die ja auch dazu gehören. Es muss nun seinen neuen Platz in der Hirarchie finden. Bei den Pferden und den Menschen. Wir sollten ihm dafür genügend Zeit geben und nicht gleich von Anfang an von ihm verlangen, wie gewohnt zu funktionieren. Das kann beim einen kürzere Zeit dauern, beim anderen länger. Ich rede hier von Wochen bis Monate falls es ungünstig läuft. Es kann auch sein, ein Pferd gewöhnt sich nie an eine neue Konstellation.

Falls wir also nicht die absoluten Pferdekenner sind, ist es hilfreich, wenn wir einen kompetenten Trainer dazu holen, der uns unterstützen kann darin, eine gute und vertrauensvolle Beziehung zu unserem Pferd aufzubauen. Es gibt keine pausschalen Lösungen oder Ratschläge, die man anwenden könnte. Dazu sind Pferde und Menschen und die Ursachen der Probleme doch zu unterschiedlich. Ein Trost sollte uns sein: meist lassen sich Probleme relativ schnell lösen, wenn wir die Bedürfnisse unserer Pferde erkennen und sie zufrieden stellen.

Ein Verlaßpferd kann man sich normalerweise nicht kaufen, das muss man sich erarbeiten. Die Anlagen dazu kann ein Pferd haben. Zum Vorschein bringen müssen wir es selber mit Zuverlässigkeit, Vertrauen und fairer Behandlung. Dann bekommen wir all das zurück. Dafür sollte sich die Mühe ja auch lohnen.

Ich möchte gern ein Beispiel erzählen. Eines Tages kam ein neues Pferd an unseren Stall, in seinem ehemaligen Zuhause hatte man keine Verwendung mehr für es. Es kam zu einer relativ unerfahrenen, aber sehr liebevollen Pferdefrau. Ich durfte die beiden unterstützen im Prozess der Eingewöhnung und des gemeinsamen Lernens.
Der Wallach bekam einen eigenen Bereich im Pferdeauslauf, damit er und die anderen Pferde sich gesichert erstmal beschnuppern und kennen lernen durften. Nach und nach durfte er immer ein Pferd mehr kennen lernen, bis er dann mit der ganzen Herde vergesellschaftet war und seinen Platz in der Herde gefunden hatte.

Er war auf herkömmliche Art ausgebildet, das heißt ihm wurden Signale vermittelt, die er verstehen und ausführen sollte, was er auch brav machte. Normalerweise wird herkömmlich aber auch mit Druck gearbeitet, das heißt, wenn ein Pferd nicht ausführt, was verlangt wird, wird Druck aufgebaut oder auch gestraft. Er reagierte sehr ängstlich auf den Anblick einer Peitsche und versuchte sogar weg zu rennen.

Da ich mit Pferden ohne Strafe arbeite und auch seine neue Menschin das so machen wollte, zeigten wir ihm, dass er nicht mehr gestraft werden würde und die Peitsche nicht dazu da ist geschlagen zu werden. Er hat dann so manches mal nicht mehr gewußt, dass er trotzdem nicht alles machen darf, sondern dass es Regeln bei uns gibt. Das heißt, wir bitten ihn etwas zu machen, zeigen auch mit Hilfe einer Art Gerte oder einem verlängerten Arm, was wir möchten, wollen damit aber keine Angst machen, sondern nur verständlich machen, was wir vorschlagen.

Er durfte nun auch am langen und lockeren Strick mit uns gehen, ohne fest gehalten zu werden.  
Falls er sich entschlossen hatte mitzumachen, bekam er eine Belohnung. Das war nun etwas Neues und er musste lernen, dass man Belohnungen auch nicht einfordern darf, sondern anständig sein und man bekommt die Belohnung auch erst nach einem Belohnungston/Signal. 

So fand er nach und nach viel Gefallen am Mitmachen und Mensch und Pferd konnten eine wunderbare, vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Dieser Prozess hat bei ihm ca. 2 Wochen gedauert. Dann wurde er ein verlässlicher Partner für seine Reiterin, die in dieser Zeit auch lernte, sich mit Körpersprache bei ihm verständlich zu machen. Er wurde ein sehr entspanntes und sicheres Pferd für Groß und Klein.

Ein paar Geschichten zu Vertrauensaufbau und dem richtigen Umgang mit dem Pferd, sowie ein gutes Buch zum Geheimnis der Pferdesprache sind auch hier zu finden: 
https://a-m-elisabeth-peters.blogspot.com/search/label/Vertrauensaufbau AMP


Lisa Peters: pferd.24-hs.de





 

Die Pferde Chester und Fjölvi gehören zu meiner Familie. Sie sind nicht nur einfach Pferde, die bei uns leben, sie leben mit uns direkt am Haus. Jeden Tag kann ich guten Morgen sagen, versorge sie, schaue wie es ihnen tagsüber geht und sagen ihnen abends gute Nacht.

Wir kommunizieren meist lautlos, aber dennoch begrüßt mich Chester der Herdenchef jedes mal, wenn ich komme mit einem liebevollen Grummeln, was mir das Gefühl gibt, dass ich willkommen bin in der Herde und auch ich spreche natürlich mit ihnen. Sie leben so nah bei mir, damit ich sie so versorgen kann, wie es den verschiedenen Bedürfnissen meiner Tier-Familie auch entspricht.

Vor ein paar Wochen hatte ich auch Corona bekommen. Ich kann mich garnicht daran erinnern, dass es mir vorher mal so schlecht ging. Es ging zwar stetig bergauf nach einem einzigen schlimmen Tag, aber das Gefühl nicht richtig gesund zu sein hat mich sehr frustriert. Zum Glück hatte ich liebe Menschen um mich herum, die mich und auch meine Tiere versorgt haben.

Natürlich wollte ich dann auch wieder wenigstens etwas für die Tiere da sein und hab mich so nach und nach wieder zu ihnen geschleppt um zumindest ein paar Dinge zu machen. Ein wenig Heu füttern zum Beispiel, wieder einen Teil des Tagesablaufes mitzugestalten, mit meiner "Herde" etwas zu machen.

Ich brachte also zwei Äpfel und eine volle Tasche voll Heu in den Stall, worauf sich meine beiden wie immer sehr gefreut haben. Es war so schön, wie sie gleich angefangen haben zu Fressen und sich die besten Halme vom Heu schmecken ließen. Ich stand ein Stück abseits und hab sie mit Freude dabei beobachtet. Mir wurde in diesem Moment allerdings bewußt, wie übel und schwach ich mich eigentlich noch fühlte.

Ich sprach es laut aus, indem ich den beiden sagte, dass ich mich einfach noch nicht gut fühle. Chester drehte sich zu mir um, schaute mich an, hörte wieder auf zu Fressen und kam auf mich zu. Ganz sanft hat er an meiner Hand geknabbert, wie um zu sagen: du bist nicht allein, ich kümmere mich auch um dich. Er gab mir einen leichten Schubs Richtung Eingang und wollte, dass ich ihm nach draußen folge. 

Er blieb mit mir am Eingang stehen, schaute auf die große Weide und ich hatte das Gefühl, er wollte mir zeigen, dass es so schön da draußen ist und er gern mit mir da raus gehen wollte, damit es mir wieder besser geht. Ich hab ihm dann gesagt, dass wir jetzt noch nicht raus gehen können, dass ich mich nicht so gut fühle und dann standen wir einfach eine Weile draußen auf dem Paddock und schauten gemeinsam in die Weite.

Er hat mir in diesem Moment so viel Trost gegeben und auch jetzt noch, wenn ich daran denke, fühle ich so viel Liebe von ihm. So macht man das in einer Herde, wenn es einem Mitglied nicht gut geht, kümmert man sich um es. Ich habe mich bei ihm bedankt, dass er sich um mich gesorgt hat und habe mich dann wieder von ihm verabschiedet, damit er weiter Fressen gehen kann. Auch ich habe mich wieder ausgeruht.

Jetzt gehe ich jeden Tag mit einem ganz glücklichen Gefühl zu meiner Herde und freue mich noch mehr darüber, sie so nah bei mir zu haben. Wir hatten immer schon ein besonderes Verhältnis zueinander, aber jetzt scheint es mir noch enger und vertrauter zu sein.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de






Folgende Situation:  
Die Stute und ihre Tochter, beide kleben seit Geburt aneinander, eine möchte nicht ohne die andere bleiben. Sie stehen mit einem Wallach zusammen in einem kleinen Wiesenauslauf.

Ich betrete den Bereich, einen kurzen Moment später kann ich sie ohne zu zappeln ruhig aufhalftern, sie folgt meinen Bewegungen freiwillig am lockeren Seil, von ihrer rufenden Mutter und der Herde weg, geht sie mit mir entspannt spazieren, weil sie mir vertraut.

 Was ist geschehen? Voran gegangen ist ein winziger Augenblick, in dem ich ihr gezeigt habe, dass sie mir wichtig ist und ich ab jetzt ihren Weg bestimmen möchte. Doch wie habe ich das geschafft?

Wahrscheinlich wie jeder Hengst eine Stute für sich gewinnt, in dem er sie absondert und weg treibt und ihre Richtung bestimmt. Es brauchte für mich nur einen winzigen Augenblick, ich habe ihr den Weg zur Mutter mit meiner Bewegung abgeschnitten und sie gestoppt. Sie hat mich sofort verstanden, weil ich in diesem Moment nicht menschlich gehandelt habe, sondern das gemacht habe, was auch ein anderes Pferd gemacht hätte um mit ihr zu kommunizieren und ihr zu zeigen, was es von ihr möchte.

Andere Situation:
Der junge Hengst will sich nicht führen lassen, zieht weg, ist schwer zu händeln.

Ich gehe zum ihm in die Halle, dort läuft er frei, ich bestimme nun seine Laufrichtung und Geschwindigkeit, stoppe ihn und lasse ihn in die andere Richtung laufen, stoppe ihn wieder, gehe auf ihn zu, nehme ihn an das Halfter und er folgt mir brav mit entspannt gesenktem Kopf am lockeren Seil im Abstand hinaus aus der Halle. Er lässt sich lieb zum Stall führen, bleibt stehen, wenn ich stehen bleibe, geht weiter wenn ich mich weiter bewege.

Sind das Zufälle? Nein. Beide Pferde waren psychisch und physisch ganz gesund, lebten in einer artgerechten Haltung, hatten noch nichts Schlimmes in ihrem kurzen Leben erlebt und haben einfach auf die Kommuniktion mit Körpersprache reagiert, weil sie die sofort verstanden haben.

Noch eine Situation:
Der junge Wallach Chester, 2-3 jährig frisch von der Fohlenaufzucht auf der Alm gekommen, gerade erst genesen von einem Kieferbruch, spürt seine Kräfte zurück kommen. Er ist sehr dominant, fühlt sich immer besser und möchte nun seine Möglichkeiten austesten, die er so lange nicht ausleben konnte.

 In seiner Bewegungsfreiheit jetzt begrenzt, in einem Offenstall mit anderen Wallachen zusammen ist er froh, dass sein Mensch ihn immer wieder heraus holt um mit ihm zu spielen.  Naturgemäß möchte er seine Kräfte messen, will die Richtung bestimmen, in dem er seinen Menschen mit zieht, steigt den Menschen an und rennt los wann er möchte.

In den geschützten Bereich der Reithalle geführt und los gelassen, kann er sich kurz austoben und seine Freiheit genießen. Er möchte den Bereich für sich markieren und sich dann gern wälzen, aber ich lasse ihn nicht, treibe ihn weg und statt dessen wälze ich mich an dem Platz, den er ausgesucht hatte. (Dazu scharre ich kurz mit dem Fuß, hocke ich mich hin und bewege mich hin und her, stehe auf, scharre wieder mit dem Fuß und pruste ziemlich zufrieden ab.) Erst dann darf er sich wälzen. Seinen Schweif trägt er nun nicht mehr ganz so hoch, sein Kopf sieht nun entspannter aus und er steht ruhig da wir können etwas pflegen und streicheln. Ich genieße den Moment der Harmonie.

Unser nächster Tag läuft ähnlich ab. Er betritt mit mir die Halle, ich wälze mich zuerst und er wälzt nicht, sondern hat einen neuen Plan ausgeheckt. Er äppelt um seinen Bereich zu markieren. Ich bin vorbereitet, ich gehe zu seinem Haufen, markiere mit einem Papiertaschentuch, dass ich dicht am Körper getragen habe und lege es über den Haufen. Er sieht mir zu dabei. Dann geht er hin schnuppert und schwupps ist das Papiertuch in seinem Maul verschwunden. 
Ich lege Nachschub drauf und lasse ihn nicht mehr hin. Da äppelt er wieder, ich hab auch noch Tücher, die ich drauf lege und das wiederholt sich gesamt 5 mal. Sein Pulver scheint verschossen, bzw er kann nicht mehr und sein Kopf senkt sich zufrieden, er kaut und schlendert herum. Ich habe ihm ein weiteres Mal gezeigt, dass ich genauso gut markieren kann wie er, aber letztendlich mehr Möglichkeiten einstecken habe.  

Ein anderes mal will er mich einkreisen, ich schicke ihn gerade aus. Dann bestimme ich seine Gangart, oder stoppe und wende ihn. Oder lasse ihn anhalten. Wieder zeigt sich, dass auch er versteht, was ich von ihm möchte. Ich möchte nur, dass er mir folgt, weil ich unser Territorium besser markieren kann, seine Richtung bestimmen kann und ihn auch stoppen kann, das heißt auf pferdisch: ich übernehme die Herdenführung. Alle weiteren Probleme haben sich damit in Luft aufgelöst. Kein Ansteigen mehr, denn man steigt seinen Chef nicht an, kein losreißen mehr, denn man folgt brav dem Chef, kein anrempeln mehr, weil das dem Chef gegenüber respektlos wäre.

Trotzdem darf er jetzt respektvoll darum bitten, zum Gras gehen zu dürfen um zu fressen indem er einfach dorthin schaut, er darf darum bitten, eine bestimmte Richtung beim Spaziergang einschlagen zu dürfen und er darf darum bitten näher kommen zu dürfen um gekrault zu werden, alles nur mit einer Andeutung von seinen Blicken. Respektvoll und ohne Druck. Er muss trotzdem respektieren, dass ich letztendlich diejenige bin, die jede Handlung erlaubt oder verbietet, beginnt oder beendet. Nur so kann er sich auf meine Führung verlassen und mir vertrauen, dass ich auch für seine Sicherheit sorge.

Bei ihm hat es eine Weile gebraucht um jetzt ein zuverlässiges, respektvolles Pferd zu werden, das von jedem Kind geführt werden kann, solange ich daneben laufe. Denn er hört auf meine Stimme, egal wie weit ich weg bin. Von überall, auch vom Spielen mit Kumpels lässt er sich nun abrufen. Auch wenn es mit ihm ein längerer Weg war, es hat sich gelohnt. Er war mein erster schwieriger Fall, aber mit ihm durfte auch ich ganz viel lernen.

Ich benutze in ausgewählten Sequenzen außer der Körpersprache und dem Stimm-Lob manchmal Futterbelohnung, aber nur nach einem Belohnungston oder Clickersignal. Druck oder Verstärkung von Druck wird manchmal auch als Impuls von mir verwendet, zum Beispiel um von einem aufdringlichen Pferd Abstand zu mir zu fordern. Das geschiet so, dass ich den Druck nicht Richtung Pferd schicke, sondern bei mir selber einen Raum schaffe, in dem ich vielleicht vor mir mit der Peitsche fuchtele, schwer zu beschreiben. Wenn das Pferd dann näher kommt, würde es in die wedelnde Peitsche laufen, aber nicht, weil ich sie dem Pferd drauf schlage, sondern weil das Pferd zu nahe kommt und rein läuft, ich kann es nicht anders beschreiben. 

Oder ich werfe ein Seil, um den Raum zu markieren, den ich beanspruche, falls es das Pferd zufällig trifft, weil es hinein läuft ist es auch nur ein Berühren, kein Schlag, kein Schmerz. Das Pferd versteht das auch nicht als Zurechtweisung dann, sondern als das Einfordern meines Raumes. 
Eine Peitsche wird von mir nur als verlängerter Arm, Zeiger oder Signalgeber benutzt. Daher können meine Pferde entspannt bei mir sein und reagieren nicht gestresst oder ängstlich. Das genügt vollkommen, denn Pferde haben die Tendenz freiwillig mit zu machen und dem Ranghöheren zu folgen, wenn sie vertrauen oder sogar belohnt werden. Das Einfordern von Futterlob kommt bei mir nicht vor, weil nur ich bestimme, wann es Futter gibt und niemals ohne Belohnungston Futter aus der Hand gebe, sofern sich das Pferd ruhig abwartend verhält. Bei einem Pferd wie Chester konnte ich anfangs nicht mit Futterlob arbeiten, weil er da zu hektisch wurde. Das kam bei ihm dann erst 2 Jahre später.

Ich wünsche mir, dass viele Menschen ihre Pferde besser verstehen, besser mit ihnen kommunizieren können und Probleme garnicht erst entstehen, oder sich wieder auflösen. Es ist so einfach, wenn man weiß wie. Dazu möchte ich ein paar Informationen bereit stellen, damit man sich selber weiter bilden kann und eine ganz neue Art der Beziehung zu seinem Pferd aufbauen kann.

Pferde sind sehr sensible Tiere. Sie erfassen unsere feinsten Bewegungen und manchmal auch die Empfindungen, die wir garnicht ausdrücken wollen. Manchmal werden Sie so behandelt, als ob sie nichts empfinden. Die Pferde können zwar wiehern, so wie Hunde bellen, aber ein Schmerzlaut wie das Jaulen des Hundes, ist ihnen von Natur aus nicht gegeben. 

Sie sind Fluchttiere und würden bei Verletzung gefährliches Raubwild anlocken. Und so leiden oft unsere "Besten Freunde" stumm und ertragen alles, was der "Mensch" im abverlangt, dem sie sich gehorsam unterordnen. Nur manchmal und auch nur, wenn es unerträglich für sie geworden ist, wehren sie sich, dann werden sie abgestempelt als Verbrecher.

Doch es gibt andere Wege, eine Kommunikation mit unseren geliebten Freizeitkameraden aufzubauen. Im Sattel, bei der sogenannten Bodenarbeit und auch der feinen, energetischen Kommunikation. Hier ein besonders wertvolles Buch 

über Das Geheimnis der Pferdesprache von Gertrud Pysall.

Hier ist ein toller Film darüber zu sehen, welches Verhältnis der Mensch zum Pferd aufbauen kann, wenn er Gefühle sprechen lässt:
youtube.de Der Weg des Pferdes - Dokumentarfilm - Deutsch Untertitel

Pferde besser verstehen, sehen Sie hier einige Beispiele als Filme:
Sie werden weiter geleitet zu youtube oder verschiedenen Websiten.
Ich möchte darum bitten, die vorgestellten Menschen und ihre Methoden, Artikel oder Filme selber kritisch zu betrachten. Auch Methoden, die sanft aussehen und eine tolle Verbindung von Mensch und Pferd zeigen, können in manchen Teilen noch hart und zwingend in der Ausbildung sein. Mein Anliegen bei der Vorstellung verschiedener Webseiten, Filme oder Texte hier ist, dass Menschen anfangen können, sich selber über den Umgang mit Pferden Gedanken zu machen. 

Einige besondere Trainer, die mich sehr inspiriert haben:

Fred Rai - S. Schnelle - K. F. Hempfling - Gerd Römbke - H.-J. Neuhauser - Tristan Tucker  - Sylvia Czarnecki

Seelische Verbindungen aufbauen: (englischsprachige Seite) Trust Technique

Auch Timo Ameruoso zählt zu den Trainern, die sich um eine gute Kommunikation von Mensch und Pferd bemühen und den ich sehr schätze.

chi-horsing.com Die feine Kommunikation mit dem Pferd.

Ein paar Videos über die hohe Schule des Reitens,
Grand Prix - Dressur mit Halsring: Hier zeigt sich, wer wirklich was kann
und hier nochmal Atemberaubend schön
Auch beim Springen geht es anders, obwohl ich nicht unbedingt vom Springsport begeistert bin: Alycia Burton

Passend zum Thema, Biomechanik des Pferdes: von Dr. med. vet. Gerd Heuschmann

Meine liebste Playlist bei youtube: über Pferdekommunikation

Interessante Artikel über die Möglichkeit verschiedene Kompetenzen im Umgang mit Pferden zu erlernen, darunter auch für Jugendliche oder Führungskräfte, finden Sie hier: 6 PDF Dateien Pädagogische Erfahrungen

Eine ganz besondere Akademie für Horsemanship gibt es hier: heinzwelz.de mit Videos

Hufbearbeitung, Naturhuf, Huforthopädie: HGM Trimming - difho.de 

Impfen mal kritisch betrachtet: impffreiheit.de

Schrittbewegung als Pferdetraining, Stoffwechsel, Muskulatur, Haltung usw.: dai-shodan.de

Ernährungszustand des Pferdes und viele Infos über Krankheiten, von Dr. C. A. Bingold: equivetinfo.de













Lisa Peters: pferd.24-hs.de


   

Meine wichtigste Empfehlung für Pferdeleute und solche, die es werden wollen. Dieses Buch ist nicht einfach nur ein weiteres Pferdebuch, sondern ein richtiges Arbeitsbuch. Schritt für Schritt führt uns Gertrud Pysall in das Geheimnis der Pferdesprache ein. Je mehr wir uns mit unserem Pferd verständigen können, desto besser wird unsere gemeinsame Kommunikation und das gegenseitige Vertrauen kann wachsen. Ich bin begeistert von diesem Buch. Das sollte wirklich jeder haben.

Es nützt uns nichts, an diesem oder jenem Problem zu feilen, denn diese verschwinden dann, wenn wir an der Ursache die Schwierigkeiten abstellen und nicht mehr an den Symptomen arbeiten. Jede/r kann lernen sich mit seinem Pferd so zu unterhalten, dass es uns Menschen versteht.


Die meisten Pferdebesitzer würden behaupten, dass ihr Pferd ihnen vertraut. Aber wenn sie in sich hineinhorchen, dann stellen nicht wenige fest, dass etwas fehlt. Es ist diese letzte Distanz, diese durchsichtige und doch undurchdringliche Wand, die zwischen dem Tier und seinem Menschen zu stehen scheint. 
Gertrud Pysall hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Wände beiseitezuschieben, den Weg frei zu machen und diese Verbindung zwischen Pferd und Mensch herzustellen. Dafür hat sie die Sprache und das Verhalten domestizierter Pferde erforscht und analysiert. Die artspezifische Kommunikation mit dem Pferd ermöglicht den echten Zugang zur Pferdeseele denn viele scheinbar gewaltfreie Ausbildungsmethoden bedeuten Stress für das Tier und sind weder sanft noch artgerecht. Oft sind es scheinbar unbedeutende Gesten und Handlungen, die aus Pferdesicht aber eine immense Bedeutung haben denn Pferde reden immer! In der Stallgasse, auf dem Weg zur Weide oder beim Ausritt, Pferde sind richtige Kommunikationstiere und haben dem Menschen gegenüber Redebedarf . 

Genau dort setzt das MOTIVA-Training an. Gertrud Pysall hat die Pferdesprache für den Menschen sprechbar gemacht. Damit gibt sie Pferdebesitzern, aber auch Tierärzten und Therapeuten eine hocheffektive Kommunikationshilfe an die Hand, die sich in allen Situationen des täglichen Umgangs mit Pferden einsetzen lässt. Auch wer glaubt, schon alles darüber zu wissen , dürfte nach der Lektüre des Buches überrascht sein. Lernen Sie auf Dinge zu achten, denen Sie vorher gar keine Bedeutung beigemessen haben. Erleben Sie den erstaunten Blick Ihres Pferdes, wenn Sie plötzlich etwas zu sagen haben. 
Gertrud Pysall ist nicht mehr und nicht weniger als eine Fährmeisterin, die leidenschaftlich, tief erfahren und verantwortungsvoll zwischen den Pferden und Menschen hin und her reist, um zusammen zu führen, was durch Dressur und menschliches Herrschaftsdenken getrennt wurde. Sich dem zu öffnen, was sie als Botschafterin der Pferde übermittelt, ist ein Geschenk, das man sich selbst machen darf, wenn man dieses Buch liest.

Auch ihr erstes Buch ist sehr informativ:

Nichts leichter als das:
Hier meine Empfehlung für lehrreiche Pferdebücher bei Amazon, gleich zum Bestellen.

Sollen es lieber Lehr-DVD´s sein?
Zubehör für Horsemanship, oder Geschenke für kleine und große PferdeliebhaberInnen?

Viel Spaß beim Stöbern ;-)



Als Chester zu uns kam, war er ein bemitleidenswertes, kleines Häufchen Elend. Er hatte einen Kieferbruch, solllte erlöst werden wegen der hohen OP Kosten, sein Leben stand dabei auf der Kippe, aber wir holten ihn kurzerhand zu uns, ließen ihn operieren und hofften einfach nur, dass er es gut übersteht.

Nach einem halben Jahr Genesung war klar, er wird gesund und immer munterer. Er zeigte dann auch, wer er wirklich war. Vom dem kleinen, jämmerlichen Häufchen Elend entpuppte er sich als der geborene Alpha, stark und ungestüm.

Er hatte als 3 jähriger so einige Sachen drauf, die ich noch nie so in dem Ausmaß erlebt hatte. Ein typisches Jungpferd: anrempeln, ansteigen, davon preschen, einfach allegemein hibbelig und sehr unberechenbar in seinen Aktionen. Andauerndes Gezappel auch beim Hufe machen und Pflegen und dauernd angeknabbert werden, einfach alles ziemlich nervig. Ganz ehrlich habe ich mich damals gefragt, ob ich das jemals mit ihm schaffe? Ich war ziemlich am Ende meiner Überlegungen. Aber ich hab mir dann selber gedacht: wenn ich es nicht schaffe, wer dann? Und wenn das jemand anders schafft, dann schaffe ich das auch.

10 Jahre weiter: Wir haben es geschafft! Und das mit Bravour.
Er ist heute mein bestes Pferd im Stall. Sehr souverän führt er die kleine Herde an, seine Entscheidungen werden nicht mal im Ansatz hinterfragt. Er ist der unangefochtene Chef der Gruppe. Wenn dann mal ein Neuer hinzu kommt, wird der sehr sicher, ruhig, souverän und überlegen dazu bewegt, seinen Anweisungen zu folgen. Trotz allem teilt er alle Resourcen brüderlich, auch wenn mal ein Rüpel dabei ist.

Ob das allein sein toller Charakter ist, oder auch ein Teil meiner Erziehung, (was ich natürlich gern für mich einstreichen würde) bleibt dahin gestellt.

Sehr gern erzähle ich aber auch mal, wie wir nun dahin gekommen sind.
Durch "Zufall" kam mir ein Buch in die Hände, von Gertrud Pysall: Das Geheimnis der Pferdesprache kennen lernen.

Das verhalf mir ehrlich gesagt zum Durchbruch.
Ich konnte Chester nun zeigen, wer wirklich etwas zu sagen hatte und zwar auch so, dass er es sofort verstanden hat, trotzdem gewaltfrei. Es war ein etwas längerer Prozess, denn er war ja absolut unerzogen und roh, erstmal auf der Alm groß geworden und hatte noch nie so richtig eine menschliche Führung genossen. Er wunderte sich nur, dass ich plötzlich ranghöher war, so viel schneller war als er, dass ich ihn in jedem Moment stoppen konnte, seine Laufrichtung wechseln konnte, seine Gangart bestimmen konnte und auch noch markieren konnte, dass alle Bereiche MEIN Territorium waren über das ich allein verfügen konnte wie ich wollte, oder ihn nach meinem Wunsch mit einbeziehen konnte und alle Resourcen von nun an allein verwaltete.  Und vor allem anderen: dass mich seine Eskapaden von nun an unbeeindruckt ließen, weil ich für mich den Stein der Weisen gefunden hatte.

Das ging nicht alles an einem Tag, aber mit jeder Minute des veränderten Umgangs mit ihm, wurde ihm mehr und mehr klar, dass egal was er machte, ich die Oberhand behielt. Ich konnte ihm zeigen, dass ich ihn liebte, ruhig bleiben konnte und trotzdem immer das letzte Ass im Ärmel hatte. Schritt für Schritt hat er gelernt, was es heißt ein gutes Pferd zu sein. Alles haben wir mit Ruhe und Zeit erreicht. 

Ich habe sehr darauf geachtet, ihn nicht zu überfordern, auch als wir begonnen haben ihn zu Reiten. Wir übten alles ohne Reiter und er kannte ja dann schon alles vom Boden her. Dass ich dann auf einer erhöhten Position saß, machte für ihn dann keinen Unterschied mehr. Wir haben auch schon aufgrund seines Kiefers nie ein Gebiss eingelegt. Nur mit Knotenhalfter und langem Strick gearbeitet. Ich habe ihm natürlich zuerst auch alle Hilfen vom Boden erklärt.

Als er 3 oder 4 Jahre alt war, hab ich einfach mal den Sattel drauf gelegt und damit Bodenarbeit gemacht. Oder ihm einen Sack Futter aufgelegt. Er hat einfach die Routine bekommen mit dem täglichen Arbeiten, dass es alles normal ist, was wir machen. Da kam nie eine Gegenwehr, er hat sich einfach auf mich verlassen.

Er ist nun zu dem geworden, was ich ihm vorgelebt habe. Morgens werde ich grummelnd begrüßt und immer willkommen geheißen. Ein rundum tolles Pferd. Ruhig, immer souverän und händelbar. Für alles offen und selbst vom Spielen auf der Weide abrufbar, wenn ich ihn holen möchte. Selbst nach 2 Jahren Reitpause lässt er sich reiten, als wäre nichts dazwischen gewesen. Beim Toben auf der Weide kann ich immer sicher sein, dass er auf mich aufpasst. Er schlägt sogar Haken, damit er einen nicht überrennt. 

Ich wünsche allen anderen nun viel Mut und Zuversicht, auch wenn alles noch nicht so auf Anhieb klappt. Dazu kann ich das Buch von Pysall nur empfehlen, es vermittelt eine tolle Kommunikation mit Körpersprache.
Hier noch ein paar andere Geschichten zum Thema Vertrauensaufbau und FührungAMP
Viel Spaß mit eueren Pferden!


Besuchen Sie auch unsere Website: www.pferd.24-hs.de

Hier steigt ein Fohlen beim Spiel den Herdenchef an, dieser bleibt ganz gelassen.

Wenn wir mit unserem Pferd arbeiten wünschen wir uns, dass es willig unseren Aufforderungen nach kommt.
Einige Horsemanship Trainer lehren uns, dass wir unser Verhalten, unsere Aufforderung nun verstärken müssen, in sogenannten Phasen, bis zum Erfolg der Übung.

Ich habe eine ganz andere Erfahrung gemacht, als die, dass eine Verstärkung immer das Mittel der Wahl ist. Manchmal müsste man da ziemlich grob werden... ob das Pferd nun nicht will, oder nicht kann, können wir meist gerade nicht genau abschätzen.

Ein Beispiel:
Wir fordern das Pferd auf, rückwärts zu laufen. Das Pferd bleibt stehen.
Woran kann das liegen? An vielen verschiedenen Dingen.
1. Das Pferd hat Angst rückwärts zu laufen, weil es nicht abschätzen kann, ob es gefährlich ist. Es sieht uns in dem Moment nicht als ranghöher und vertraut uns nicht.

2. Das Pferd sieht sich selber als ranghoch und sieht einfach keine Veranlassung dazu unserer Aufforderung zu folgen.

Ist im Prinzip ist es das gleiche Resultat, aber einmal aus Angst gehandelt und einmal widersätzlich. Wenn ich nun meine Aktivität verstärke, in dem ich zuerst sanft am Führseil wackele und ihm später das Seil um die Ohren schlage, wobei das ziemlich schmerzhaft sein kann, auch Verletzungen zur Folge haben kann, körperlich oder seelisch, oder eine andere Taktik wähle, die beim Pferd zuerst das Vertrauen aufbaut ist ein ziemlicher Unterschied.

Das heißt, z. B. wenn mein Pferd nicht antreten möchte auf meine Aufforderung hin, bin ich dabei ja erstmal in einer neutralen, wohlwollenden Position am vorderen Ende der Führleine. Ich fordere es auf nach hinten anzutreten und es bleibt stehen.
Werde ich nun grob, reagiert das Pferd aus Angst und Schmerz vielleicht doch noch, verliert aber seine freundliche Zuneigung zu mir, weil es mich als sehr dominant und rabiat kennen lernt, es reagiert nur darauf, dass es gezwungen wird, weil es sozusagen für sein Verhalten auf die ein oder andere Art bestraft wird.

Ändere ich nun mein Verhalten kann ich es auf eine andere Art später nochmal versuchen. Es wird eher noch meine Beziehung stärken und aufbauen, wenn ich (als der Klügere) ihm zuerst mal zu erkennen gebe, dass ich sehr wohl weiß, was ich will, ihm die Sicherheit gebe, ein guter Führer unserer Zweierherde zu sein und es vertrauensvoll und willig meiner Aufforderung nachkommen lassen kann.

Dazu stehen mir verschiedene Mittel zur Verfügung.
Ich beweise ihm mit sehr einfachen Mitteln, dass ich mehr zu sagen habe als das Pferd.
Z. B.
1. mit einer Futterbelohnung. Diese bekommt es erst zu Fressen nach meiner Aufforderung, auch wenn diese in der Herde unter Pferden natürlich nicht praktiziert wird. Aber dafür bin ich eben diejenige, die darauf besteht, ihr Futter zu verteidigen und nur zuzuteilen, wenn ich möchte. Manchmal kann das ein großer Anreiz für ein Pferd sein. Manchmal jedoch kontraproduktiv, falls ein Pferd keinen Respekt gelernt hat, mir gegenüber. Dann muss ich abwägen, ob es besser ist, die Futterbelohnung voerst weg zu lassen, eventuell auch nur vorübergehend und ihm dann später beizubringen, es bekommt Futter, wenn ich das möchte, so wie ein Lob mit Stimme, oder Streicheleinheiten. Ich wähle aber gern die Futterbelohnung in Verbindung mit einer Aufforderung zum Fressen, weil ich dann in meiner Offenstallherde beim Füttern des Mineralfutters täglich keine Rangeleien habe, sondern brav abwartende Pferde. Über Futterlob habe ich auch einen separaten Artikel geschrieben, auf den ich gern hinweise.
2.  ich verhalte mich ranghoch in dem ich schon bei Führen voraus laufe, darauf achte, mich nicht von ihm treiben zu lassen indem ich von ihm verlange, dass es einen gewissen Abstand von mir einhält, oder schicke es am langen Seil voraus und bestimme Tempo und Richtung von hinten
3. ich beginne jeweils mit Veränderungen, wie Fellpflege, Hufe auskratzen usw. das heißt, ich fange an, fasse zuerst das Pferd an, anstatt mich berühren zu lassen, bin immer diejenige, welche etwas initiiert
4. ich lasse seine Hinterhand weichen
5. ich ändere das Tempo beim Führen 
6. ich bestimme, wann wir stehen bleiben
7. ich lobe für bestimmtes Verhalten mit meiner Stimme, Streicheln, oder Futter
usw.
Wenn ich genug Vertrauen aufgebaut habe und den Respekt des Pferdes erlangt habe, muss ich nicht mehr grob werden, sondern das Pferd wird meinen Aufforderungen williger folgen, weil es gelernt hat, dass es sich einer souveränen Führung besser anschließt, da es für sein Leben von Vorteil ist und weniger Stress bedeutet, denn der Herdenchef ist ja auch für seine Sicherheit zuständig. Es wird sich bei mir wohl fühlen und mir freiwillig Folge leisten.

In einer freundschaftlichen Beziehung unter Pferden sind die Rollen auch mal vertauscht. Das heißt z. B. beim Spiel, da darf auch der rangniedrige dann mal zuerst anknabbern, oder ansteigen...
trotzdem ändert das nichts am Respekt des Rangniedrigen, wenn es darauf ankommt. Da muss ich natürlich als Mensch Grenzen setzen, ich bin einfach kein Pferd. Aber als Ranghöhere kann ich ja bestimmen, wie weit ich etwas dulde und wann Schluß ist.

Zu natürlichem Pferdeverhalten kann ich auch einen schönen Videoblog empfehlen von dem Tierfilmer Marc Lubetzki
und einem Video, in dem ein Fohlen von der Mutter aufgefordert wird aufzustehen:
https://www.youtube.com/watch?v=HpGvMagYBIY
Er berichtet in seinen Blogs vom Pferdeverhalten einer Herde von Wildpferden.


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Vertrauensaufbau ist mir in der Beziehung zum Pferd das Wichtigste.
Ich verfolge dabei nicht einen herkömmlichen Ansatz, sondern versuche die Freundschaft und das Vertrauen eines Pferdes zu gewinnen, indem ich ihm Sicherheit und Geborgenheit vermitteln möchte, seine Bedürfnisse versuche zu erkennen und ihm das zukommen lasse, was es für sein Wohlergehen braucht und dabei auf Pferdeart per Körpersprache mit ihm kommuniziere, die es gut verstehen kann.

Das schaffe ich, wenn ich einmal die Herdenstruktur betrachte.
Es gibt die ranghohen Leittiere, dann in Abstufungen die rangniedrigeren. In der Herde bilden sich enge Freundschaften und diese befreundeten Tiere ähneln sich sehr, meist sieht man sogar Pferde in der gleichen Farbgebung zusammen. Sie machen dann alles gemeinsam, es entsteht eine enge Bindung dabei.

Somit habe ich die besten Hinweise auf das, was ich tun kann, um meinem Pferd näher zu kommen.
Ich muss so viel wie möglich Zeit mit ihm verbringen und ihm signalisieren, dass ich um sein Wohl besorgt bin.
Es geht nicht darum, dass ich meine gemeinsamen Stunden mit Reiten verbringe und Lektionen, die wir erlernen wollen, sondern um für das Pferd qualitativ hochwertige Zeit, die ihm vermitteln kann, dass ich an ihm interessiert bin. Das heißt, Zeit, die den Bedürfnissen des Pferdes gewidmet ist.
Weder Muskelaufbau, noch Ausdauer- oder Krafttraining, sondern Dinge wie zusammen nichts tun zum Beispiel, oder gemeinsam spazieren gehen, Zeit auf der Weide verbringen, ohne etwas von dem Tier zu fordern. Das macht die Freundschaft für das Pferd aus.

Es gibt oft Pferde, die bei der Arbeit gut funktionieren. Aber manchmal sind sie schwer einzufangen, oder sonstwie nicht an unserer Gesellschaft interessiert. Ich meine das kommt daher, dass sie nur das Gefühl haben, wir fordern nur von ihnen etwas und sind nicht bereit, etwas zu geben, was eine Bedeutung für das Tier hat. Deshalb hat das Pferd wenig Interesse daran mit uns etwas zu unternehmen und würde sich lieber entziehen, wenn es selber entscheiden könnte.
Für ein Pferd bedeutet es nichts, dass wir den Stall bezahlen, das Futter besorgen, uns darum kümmern, dass für sein leibliches Wohl gesorgt ist. Dies sind selbstverständliche Dinge für ein Pferd, die es nicht als etwas Besonderes anerkennen kann. Womit es meiner Meinung nach aber auch Recht hat.
Das sind Grundbedürfnisse, die wir stillen müssen, dies würde es in der Natur auch vorfinden, wenn wir nicht da wären, sofern es diese Art von "Natur" noch geben würde für Pferde.

Etwas besonderes für ein Pferd bedeutet nicht, dass wir besondere Sachen mit ihm machen müssen, sondern einfach nur da sein und sein Leben teilen. So, wie jedes andere Herdenmitglied das auch machen würde. Und im besonderen die Fellpflege, das gemeinsame zusammen Stehen und Ruhen, gemeinsam Fressen, gemeinsam Laufen, gemeinsam Spielen. Ohne vom anderen zu fordern, sondern nur ein Ermuntern ohne besondere Erwartung.

Ich stelle mir dabei nur mal vor, was würde ein befreundetes Pferd machen? Wallache spielen sehr viel zusammen, wenn sie von klein auf mit Artgenossen zusammen standen und immer die Gelegenheit dazu hatten. In der Gruppe üben sie die Rangkämpfe, messen sich in Stärke und Schnelligkeit. Denn in der Natur leben sie auch in Gruppen zusammen und bereiten sich für die Übernahme einer Herde vor.
Stuten spielen meist nicht sehr viel oder viel weniger. Für sie ist das nicht überlebenswichtig. Aber auch Stuten rennen oder toben mal gemeinsam.

Die freundschaftliche Beziehung zu meiner Stute habe ich erst so richtig aufgebaut, als sie wegen Lahmheit lange Zeit nicht geritten werden konnte.
Ich musste mir andere Dinge einfallen lassen um sie zu beschäftigen. Damals wußte ich nicht viel von Bodenarbeit oder Horsemanship. Bodenarbeit hatte ich nie gelernt. So verbrachte ich anfangs ziemlich unproduktive Zeit mit ihr, so dachte ich wenigstens. Ich lief mit ihr spazieren, ließ sie auf dem Platz laufen, stand herum mit ihr, putzte sie, nahm mein Vesper ein, während ich sie daneben grasen ließ,  - mangels Ideen, was ich tun könnte mit ihr, ohne sie zu beanspruchen, oder forderte sie einfach ab und zu auf, mit mir auf der Weide oder in der Halle herum zu rennen.
Und genau das war es, was mich ihr näher brachte und was ihr Interesse weckte, mit mir zusammen sein zu wollen.
Wenn sie mich sah, kam sie von weit her schon angaloppiert und freute sich, wieder Zeit mit mir verbringen zu können, weil ich ihr meine ganze Aufmerksamkeit zukommen ließ.
Ich las damals interessante Bücher, zum Beispiel von Hempfling, und wollte mir Ziele in der Bodenarbeit mit ihr erarbeiten. Eines davon war das Schulterherein am Boden. Während eines Tages machte ich vorbereitende Übungen mit ihr um irgendwann dieses Ziel zu erreichen, ich habe mir und ihr dabei keinen Druck machen wollen.
Nach unserer gemeinsamen Übung, lies ich sie noch grasen und verspeiste auch mein mitgebrachtes Abendessen. Danach wollte ich mich aufmachen um nach Hause zu gehen. Ich rief sie heran, sie war ein Stück weit weg. Sie schaute auf und kam heran getrabt, in einem perfekten Schulterherein.
War das Zufall? Ich glaube nicht, sie hat das vorher noch nie gemacht gehabt.

Was mir aber später noch mehr Beweis gegeben hat, dass sie mir einfach so etwas schenken möchte, rein aus Freundschaft, das war etwas ganz anderes.
Ich ließ sie wie üblich damals frei in der Halle laufen und forderte sie zum Toben auf, indem ich sie frei laufen ließ, einfach von ihr hüpfend wegrannte und sie aufforderte mir zu folgen. Das erste mal, als ich das machte, sprintete sie davon bis ans Ende der Halle und schaute sich erstaunt um, so als wenn sie fragen wollte, vor was sind wir jetzt davon gerannt?
Das nächste mal, wußte sie schon, dass sie einfach mal lostoben durfte. Sie rannte los und sprang kreuz und quer durch die Bahn. Buckelte und keilte aus, galoppierte hin und her.
Ich wußte, dass ich das mit ihr machen konnte, weil ich ihren Respekt hatte, sie hätte mich nie überrannt, sondern hielt immer Abstand.
Und dann kam der Tag, als sie von einem Ende der Bahn zum anderen, wo ich stand hergaloppiert kam, vor mir stoppte und mir zwei perfekte Levaden zeigte. Dies war eine Dressurlektion der hohen Schule, die ich mir immer mal gewünscht hatte, aber nie zu träumen gewagt hatte, mir dies so schnell erarbeiten zu können.
Ich bin mir aber sicher, dass dies ein Geschenk meines Pferdes war, dass sie mir zukommen lassen wollte, weil ich versuchte auch ihre Bedürfnisse zu erforschen und zu stillen.

Ich war ja inzwischen zum Rai-Reiten gewechselt, einer Art reines Freizeit- Reiten, die darauf abzielt, der Ranghöhere in der Zweierherde zu sein, die man bildet, wenn man mit einem Pferd zusammen ist um ihm zu signalisieren, dass man als Mensch für die Sicherheit zuständig ist, die sonst das Leittier übernimmt.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich nie wieder versucht, bestimmte Dinge zu erarbeiten, sondern habe nur von Tag zu Tag, ihrer Konstitution entsprechend etwas mit ihr gemacht, was einfach möglich war für sie.
Weil ich wußte, dass sie mir freiwillig alles geben würde, was mir Freude macht. Es war seit damals nicht  mehr wichtig für mich, dass sie mich tragen könnte. Viele Freundschaftsbeweise ihrerseits haben mich für das entschädigt, was mit ihr nicht mehr möglich war und was ich damals noch als normalen "Gebrauch" eines Pferdes ansah.
Sie hat mich zu einem anderen Verständnis dessen gebracht, was für Pferde wichtig ist und war mein bester Lehrmeister. Ich habe dabei erfahren, was auch für mich wichtiger ist, als mich tragen zu lassen.

Für mich ist inzwischen der Aufbau einer wahren Freundschaft wichtiger geworden, weil es die wirkliche Harmonie bedeutet, nach der ich auf der Suche war. Ich kann mich gut erinnern, als kleines Mädchen hatte ich den Traum, zu Reiten und eine innere Verbindung zu einem Pferd zu haben, meine Liebe mit ihm zu teilen.

Leider ist dieser Traum etwas in Vergessenheit geraten, als ich in der Reitschule meine Lektionen lernte, Wettbewerbe bestritt, Leistung bringen sollte und auch vom Pferd fordern musste. Natürlich lief es an manchen Tagen nicht so gut und ich hatte auch das Pferd zu bestrafen, wenn es nicht auf den Punkt reagierte.
Ich verdiente mir meine Sporen und hatte auch sogenannte Erfolge. Aber es war anstrengend und manchmal frustrierend, zumindest am Anfang, als ich noch nicht so gut war. Und auch heute sehe ich manchmal in den herkömmlichen Reitschulen Momente, in denen kleine Mädchen weinend aus dem Unterricht kommen, weil es mal wieder nicht gut "funktioniert" hat.

Ich habe inzwischen meinen Traum Wirklichkeit werden lassen können. Ich verfolge keine Wettbewerbe mehr. Auch muss ich am Ende der "Stunde" keine bestimmten Ergebnisse mehr vorweisen.
Der gemeinsame Weg ist für mich das Ziel geworden. Und ich freue mich daran, dass meine Pferde mich grummelnd begrüßen und bin nur traurig, wenn ich sie wieder "weg" stellen muss, um nach Hause zu gehen.

Aber auch hier kann ich nun ruhigen Gewissens gehen, weil ich weiß, sie sind so unter gebracht, dass sie in Pferdegesellschaft bleiben können, wählen dürfen, ob sie draußen stehen oder sich unter ein Dach stellen wollen, Heu fressen können wann immer sie möchten, im Auslauf spielen oder ruhen können auf einer weichen, trockenen Unterlage, wann und wie sie wollen. Auch, wenn es im begrenzten Rahmen ist, denn ein Platzangebot wie in der Natur ist in unseren dicht bewohnten Gegenden kaum zu finden.

So können meine Pferde mir vertrauen, dass ich zu ihrem Wohl handele und können sich geborgen fühlen in ihrem Umfeld. Und ich meine wenigstens, dass es ihnen gut geht und sie zeigen mir jeden Tag wieder, dass sie sich freuen, mich zu sehen, wenn sie mich freudig grummelnd begrüssen kommen.

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